Die kleine Brio-Lok hat´s (auch) erwischt…

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Der für seine Holzeisenbahnen weltberühmte schwedische Spielzeughersteller Brio steht kurz vor der Pleite. Der Verwaltungsrat befürchte einen baldigen akuten Mangel an Liquidität, erklärte das Unternehmen heute. Das Unternehmen arbeite zurzeit nicht rentabel und benötige daher dringend eine Refinanzierung, hieß es im Jahresbericht der weltweiten Nummer eins für Holzspielzeug.

Mit Brio steht eine der ältesten Firmen Schwedens vor dem Aus. Der Korbmacher Ivar Bengtsson gründete das Unternehmen 1884 in dem kleinen Städtchen Osby, zunächst als Katalogversand für Haushaltswaren. Seit 1894 produzierte Bengtsson auch Holzspielzeug. 1908 übernahmen seine drei Söhne den Laden - aus den “Brüdern Ivarsson in Osby” wurde später der Firmenname Brio. Unter ihrer Regie wuchs der Versandhandel zu einem kleinen internationalen Konzern heran. Heute hat er - alle Tochterfirmen eingerechnet - insgesamt etwa 400 Mitarbeiter.

Schon länger hatte das Unternehmen mit schweren Problemen zu kämpfen. In Schweden werden die Holzeisenbahnen nur noch entworfen, hergestellt werden sie in China. 2004 zogen sich die Nachkommen von Bengt Ivarsson als Hauptaktionäre zurück und mit Proventus übernahm ein Investor die Aktienmehrheit.

Auch die Insolvenz “des großen Bruders” Märklin hat Brio betroffen - Brio war seit 1938 der schwedische Märklin-Vertriebspartner.

Hier die Brio Historie nochmal ausführlicher (Quelle Brio Unternehmenssite):

Es war einmal
…ein Junge namens Ivar Bengtsson. Er wurde 1860 geboren und lebte mit seiner Familie im südschwedischen Picketorp. Sein Vater starb, als Ivar erst zehn Jahre alt war. Seine Mutter, eine wunderschöne Frau, heiratete bald wieder. Der Stiefvater wollte, dass Ivar schon in jungen Jahren seine Familie unterstützt, und so begann Ivar als Fuhrwerkkutscher zu arbeiten. Es war eine harte Arbeit, und Ivar träumte davon, Schreiner zu werden. Er gab fast seinen gesamten Lohn an seine Familie, aber ein kleines bisschen sparte er, um eines Tages seinen Traum verwirklichen zu können.

77 alte schwedische Kronen
Im März 1878 bekam Ivar Besuch von seinem Freund Olof Persson aus Bosahult. Olof verkaufte Spankörbe in Dänemark, hatte aber zu dem Zeitpunkt nicht genug Geld, um erneut auf Wanderschaft zu gehen. Olof versprach Ivar die Hälfte seines Gewinns, wenn er die 77 Kronen investierte, die er sich zusammengespart hatte, und beim Verkauf der Körbe half. So machten sich die Beiden mit den Spankörben auf einem Holzkarren auf den 125 Kilometer weiten Weg nach Malmö. Dort nahmen sie das Boot nach Dänemark. Die Überfahrt dauerte drei Tage. Die beiden Jungen verkauften zweitausend Körbe in zwei Monaten und verdienten jeweils einhundert Kronen. Es war Ivars erste Reise - und sie sollte sein gesamtes späteres Leben prägen.

Die Firma wird gegründet
1884 heiratete Ivar Sissa Persdotter. Das Paar zog nach Boalt, ein kleines Dorf außerhalb von Osby in Südschweden. Sie lebten auf einem kleinem Bauernhof, der auch eine Werkstatt zur Herstellung von Körben hatte. Ivar erweiterte sein Angebot durch den Kauf von anderen Waren, die in der Gegend produziert wurden - Schmiedeeisen aus Loshult und Küchengeschirr aus Visselfjärda. Er begann auch mit dem Import von Öldrucken aus dem damals deutschen Breslau, das heute polnisch ist. Alle diese Waren verkaufte er in Dänemark. Aber sein wichtigstes Produkt war einer seiner Spankörbe.

“Der Henkel verkauft den Korb”
1890 brachte Ivar Bengtsson seinen ersten Katalog heraus. Er verkaufte immer mehr in der Gegend nördlich von Skåne in Schweden; Dänemark war somit nicht mehr der wichtigste Markt. Seine Frau Sissa und seine Kinder, drei Söhne und eine Tochter, arbeiteten zu Hause an der Verstärkung der Körbe, die Ivar kaufte, indem sie zusätzliches Spanholz in den Henkel einarbeiteten. Damit hielten die Körbe länger, und Ivar prägte das Motto “Der Henkel verkauft den Korb”. Das war die Geburtsstunde des Qualitätsbegriffs von BRIO. Ivar versah seine Körbe mit dem Schriftzug ” ”Ivar Bengtssons Korgfabrik Boalt” (Ivar Bengtssons Korbwarenfabrik Boalt).

Der Umzug nach Osby
1902 zog Ivar mit seiner Familie nach Osby um - eine Idee von Sissa. Sie hatte erkannt, dass Ivar dank der Eisenbahn in der Bahnhofsstadt Osby näher an seinen Kunden sein konnte. Im Waldbezirk Göinge lebten viele reiche Forstbesitzer, die es strikt ablehnten, dass ein armer Korbflechter mitten in Osby Land erwirbt. Also wurde Ivar ein Areal etwas außerhalb zugewiesen. Erst später konnte er das zentral gelegene Grundstück kaufen, das immer noch die Zentrale von BRIO beherbergt.

Spielwaren
Ivars Firma expandierte, und das Warenangebot im Katalog wuchs. 1907 gab es darin 170 Artikel, und Ivar begann mit dem Verkauf von Spielzeug. Das beliebteste war das Göinge-Pferd.

Gebrüder Ivarsson Osby
Es gab zwar einige reiche Leute in dem Waldviertel rund um Osby, aber die meisten lebten in Armut. Zwischen 1840 und 1930 wanderte über eine Million Schweden aus, hauptsächlich nach Nordamerika. Für die große Mehrheit war die Armut der Grund, ihr Glück auf der anderen Seite des Atlantiks zu suchen. Eines Tages kamen die beiden ältesten Söhne zu Ivar und Sissa und erklärten, dass auch sie nach Amerika auswandern wollten. Die Eltern waren entsetzt, und Sissa fand eine Möglichkeit, sie in Schweden zu halten: Die Söhne sollten die Firma übernehmen. 1908 überschrieben Ivar und Sissa die Firma offiziell ihren drei Söhnen Victor, Anton und Emil. Im darauf folgenden Jahr wurde die neue Firma als Bröderna Ivarsson Osby (Gebrüder Ivarsson Osby) eingetragen.

Neue Zeiten
Die Firma entwickelte sich stürmisch unter der Leitung der Söhne. Ivars Wahlspruch hatte gelautet: Erst Geld verdienen, dann ausgeben. Seine Söhne wählten einen anderen Weg. Sie nahmen Geld auf und gingen auf Einkaufsreise nach Deutschland. BRIO expandierte rasch. Auch das Warenangebot erweiterte sich erheblich. 1909 enthielt der Katalog 999 Produkte. Bis 1912 war diese Zahl auf 2.700 gestiegen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte BRIO 10 fest angestellte Mitarbeiter und wies einen Umsatz von 155.000 schwedischen Kronen aus.

Breite Produktpalette
Auch wenn Spielzeug ein fester Bestandteil der Produktpalette von BRIO war, verkaufte das Unternehmen die unterschiedlichsten Produkte - von Glas- und Keramikwaren über Textilien bis hin zu Zahnbürsten. Bereits ab 1920 importierte BRIO Kinderwagen aus Deutschland. Nach dem Krieg herrschte aber ein Mangel an Kinderwagen, weshalb BRIO 1935 eine eigene Produktion in Osby aufnahm. 1937 wurde BRIO zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Damals beschäftigte die Firma 150 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 4,3 Millionen schwedischen Kronen.

Was geschah mit Ivar?
Es war nicht leicht für den Firmengründer, im Schatten seiner Söhne zu stehen. Aber Ivar suchte sich eine neue Aufgabe. Er übernahm die Verantwortung für die Firmengebäude - sowohl für die Neubauten als auch für Renovierungsarbeiten. Das bedeutete, dass er der Firma bis praktisch zu seinem Tod im Jahr 1948 immer verbunden blieb.

Was geschah mit Sissa?
Ivar überlebte seine Frau Sissa. Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, und Ivar versuchte niemals, die Rolle seiner Frau herunterzuspielen, auch nicht in der Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Immer wieder wies er auf Sissas positiven Einfluss auf die Firma hin. Nach Sissas Tod heiratete Ivar wieder.

BRIO in der heutigen Zeit
Die Brüder Viktor, Anton und Emil leiteten die Firma weiter. Antons Sohn Lennart, der zwischen 1952 und 1978 Chef von BRIO war, baute die Firma zu einem internationalen Unternehmen aus. Lennarts Frau Inger spielte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der internationalen Expansion der Firma, insbesondere bei der Entwicklung der beliebtesten Spielzeuge von BRIO. Dag und Bengt Ivarsson, die Söhne von Lennart und Inger Ivarsson und die Urenkel von Ivar waren die Haupteigentümer von BRIO bis zum dritten Quartal 2004, in dem das Eigentum auf Proventus AB übertragen wurde.

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Comments

One Response to “Die kleine Brio-Lok hat´s (auch) erwischt…”
  1. Henry Jakob sagt:

    Die kleine Holzeisenbahn mit den Magneten nun also auch. Das ist wirklich zum Heulen. Auch wenn das Spiel mit Brio eher limitiert war.

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