Presseschau: SZ-Magazin 12/2009
März 21, 2009 by Henry Jakob Schmidt
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Unter demTitel “Lassen wir die Küche im Dorf” schreibt Michael Cornelius eine schöne Stilkritik. Obwohl wir Aufschnittmaschinen aus Guseisen etwas abgewinnen können hier ein Auszug. Folgende Krisenherde diagnostiziiert Cornelius:
> 1. Größenwahn: Die Nonplusultraküche mit Profi-Gasherd, Kühlkammer und strömungsoptimierter Dunstabzugshaube. Die Hausherren inszenieren sich als Dreisterneköche, scheitern aber schon beim Spiegelei.
2. Putzzwang: Mattschwarze Optik blank poliert, bloß kein Störfaktor Lebensmittel im Blickfeld. Nein, hier kocht nicht die Trauerhilfe Denk, die Architektin hat es nur gern ordentlich.
3. Profilneurose: Der zum Connaisseur mutierte Altachtundsechziger schneidet den bei Mondschein geräucherten San-Daniele-Schinken mit einer Aufschnittmaschine aus Gusseisen, die mehr kostet, als die Abwrackprämie für den alten VW-Käfer eingebracht hat.
4. Klaustrophobie: Acht-Quadratmeter-Wohnküche. Zehn Gäste auf neun Stühlen spielen einen Abend lang »Reise nach Jerusalem«. Wie gut, dass Rüdiger, der neue Freund der Gastgeberin, auch noch seinen Collie mitgebracht hat.
5. Fetischismus: Offene Küche, die an einen OP-Saal erinnert. Motto: »Meine Tomate muss sich freuen, wenn sie im zartrauen Schnitt eines frisch gewetzten Messers seziert wird.«
6. Realitätsverlust: »Das schmeckt wie im Restaurant!« Gut, dass keiner den Cateringservice bemerkt hat, der am Hintereingang parkt.” Mehr lesen Sie hier.

