#8: Lieblingsdinge von Uve Schmidt
April 24, 2009 by Henry Jakob Schmidt
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Lieblingsdinge von Uve Schmidt (*1939, Lutherstadt- Wittenberg, Schriftsteller, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main)
Löffel

Den Esslöffel mopste ich vor einigen Jahren in einem malaysischen Restaurant in Frankfurt am Main; er diente dort als Dessertlöffel. Ich schätze ihn als Teil meines Frühstücksbestecks und den Löffelstiel als Brieföffner.
Hersteller: LEELA • Quelle: Speiserestaurent MALAYSIA, Ffm. • Material: Metall • Produktionsjahr: unbekannt • Nutzung: seit ca. 1990
Bartkamm


Das Bartkämmchen setzt m.E. eine volle Gesichtsbehaarung voraus, welche den öffentlichen Gebrauch rechtfertigt; um die Reste von Honigsemmeln auszuharken, vermeide ich allerdings Zuschauer. Das “Kämmle” ist ein Geschenk meiner Gefährtin (1994).
Hersteller: BOLTINA (Handmade in Switzerland) • Quelle: – • Material: Kunststoff (oder Horn?) • Produktionsjahr: unbekannt • Nutzung: seit ca. 1987
Mützen

Meine Mützen verdanken sich dem Handwerk einer alten schlesischen Dame; die lila Version war ursprünglich gedacht als über die Ohren zu ziehender weiblicher Haupthaarbehälter, ich bestellte mir das gleiche in Schwarz und trage es oberhalb der Ohren wie ein orthodoxer Kleriker, werde aber eher für einen Muslim gehalten oder für einen jüdischen Sektierer, oberhalb der Schlüsselbeine…
Hersteller: handgestrickt • Quelle: strickende Dame • Material: Schurwolle • Produktionsjahr: lila Mütze 1984, schwarze Mütze 1992 • Nutzung: seitdem
Kaugummibox

Die Kaugummibox kann man bequem am Hosenbund unterbringen; ich kaufte sie einst in London.
Taschenkalender

Der Taschenkalender, alle Jahre wieder zu Weihnachten. Format, Einbandfärbung, Umfang und „redaktioneller Inhalt“ (plus Annex) sind Standard, der Hersteller hingegen wechselt je nach Angebotslage beim adventlichen Einkauf. Ich benutze ihn nur in meinem privaten Arbeitsbereich; auch bei längerer Abwesenheit (Reisen, Kuren) bleibt er daheim, beinahe ein reiner Schreibtischkalender.
Hersteller: rido industrie • Quelle: Schreibwarenladen • Material: Papier aus chlorfrei gebleichten Zellstoff, Lederimitat • Produktionsjahr: 2007 • Nutzung: 2009 (bzw. dieser Typus seit ca. 1985)
Taschenmesser

Das Taschenmesser gehörte meinem Vater; es fand sich in seiner hinterlassenen Hausjoppe, ein Hinweis auf die Vielseitigkeit einer einzigen, relativ kleinen Klinge und die Dienlichkeit eines präsenten Manikürinstrumentes.
Hersteller: unbekannt • Quelle: Vater (Hans Schmidt) • Material: rostfreier Stahl • Produktionsjahr: ca. 1930 • Nutzung: seit ca. 1982
Taschenspiegel

Mein Taschenspiegel war der Deckel (die Klappe) der beschädigten Puderdose einer Freundin. Seine Vorzüge gegenüber den üblichen Taschenspiegeln (ohne Rahmen): Leichter und bruchsicherer, taschenfutterfreundlich und, weil quadratisch, gut aufzustellen.
Hersteller: unbekannt • Quelle: Puderdose einer Freundin • Material: Kunstoff, Spiegel/ Glas • Produktionsjahr: 80er? • Nutzung: seit langer Zeit
Bierseidel

Das Bierseidel kaufte ich anlässlich einer Übernachtung im angegebenen Gasthaus einer unter Denkmalschutz stehenden Lokalität am Marktplatz meiner Vaterstadt, der Lutherstadt Wittenberg. Ich benutze es ausschließlich zum Verzehr von Bier und kaltem Kaffee. Seine Vorzüge sind: Grundsolide Gestalt, kleiner, aber fester Sockel, gutes Handling und angemessener Schluck.
Hersteller: – • Quelle: Brauhaus Wittenberg im Beyer Hof • Material: Glas • Produktionsjahr: ca. 2003 • Nutzung: seit 2004
Spazierstock

Der Spazierstock war ein Mitbringsel meiner Lebensgefährtin von einem Trip nach Zürich (1989); der Antiquitätenhändler hatte eine Herkunftsbescheinigung mitgegeben, welche leider verlorenging. Spazierstöcke waren mir schon immer angenehm; in den 70er Jahren brachte ich eine adrette Auswahl historischer Exemplare zusammen, doch ich benutzte diese Stöcke (fast) nie, bis auf den vorgestellten „Flanierfreund“; für Wanderungen ziehe ich einen Bergstecken mit Stahlspitze vor.
Hersteller: unbekannt • Quelle: Antiquitätengeschäft in der Züricher Altstadt • Material: Edelholz, Horn • Produktionsjahr: unbekannt • Nutzung: seit 1995
Bademantel
Der Bademantel entstammt einer Kleiderspende, jenen zumeist sehr gut erhaltenen und eleganten Ausschüttungen begehbarer Garderobenschränke verheirateter oder verwitweter Damen der Gesellschaft. Wenngleich ein Herrenbekleidungsstück, war er tadellos, bis er bei mir in die Jahre kam, was auch für robust gebaute Klamotten ruinös ist, da ich meine Lieblingssachen quasi zu Tode trage…
Hersteller: Phenomene (Paris) • Quelle: – • Material: Frottee • Produktionsjahr: 70er Jahre • Nutzung: seit ca. 1990
Text: Uve Schmidt / Fotos: HBJS

